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Willkommen, selbstbestimmtes Leben!

Willkommen, selbstbestimmtes Leben!

Diesen Artikel schreibe ich im Rahmen meiner Blogparade "Individuell, frei, selbstbestimmt - so leben wir als Familie". Bei der Blogparade haben Eltern in Blogbeiträgen aus ihrem Familienleben berichtet, ihre Erfahrungen und Gedanken geteilt. Alle Beiträge die dabei entstanden sind, findest du hier: KLICK

 

Selbstbestimmt Leben als Familie

Individualität, Freiheit und Selbstbestimmung - für mich ganz persönlich klingt in diesen drei Worten etwas Schönes, Weites mit. Ein Leben voller Möglichkeiten. Und es schwingt etwas schmerzhaftes mit. Denn: Für mich sind diese drei Worte mit dem Wort "anders" verknüpft. Anders im Sinne von komisch, unnormal, nicht dazugehören, nicht richtig sein... Und ein bisschen anders war ich schon immer. Nicht, weil ich unbedingt anders sein wollte, nicht weil ich auffallen wollte, nein - es war einfach so.

 

In diesem Artikel lasse ich dich an meinen Gedanken und über Selbstbestimmung teilhaben. 


Inhalt:

  1. Das bedeutet Selbstbestimmung für mich
  2. Mein Weg zur bewussten Selbstbestimmung
  3. So fühlt sich selbstbestimmtes Leben an
  4. Meine 6 Tipps für dein selbstbestimmtes Leben

1. Das bedeutet Selbstbestimmung für mich

Was meine ich mit Selbstbestimmung? Ist nicht jede Entscheidung selbstbestimmt? 

 

Meine persönliche Definition: Selbstbestimmung ist für mich, wenn ich mich in meiner Lebensgestaltung oder bei einer Entscheidung von meinen eigenen Werten und Bedürfnissen leiten lasse. Und mich nicht davon leiten lasse, ob meine Entscheidung in dem System in dem ich mich befinde (Schule, Arbeitsplatz, Verein, Familie, u.a.) als passend angesehen wird. Gesellschaftskonform ist. Wenn ich mich nicht davon leiten lasse, dass "man das so macht". Sondern auf mich höre. Und so entscheide, wie es für mich passt, sich gut und stimmig anfühlt, meinen Werten und Bedürfnissen entspricht.

Zur Selbstbestimmung gehört für mich auch, dass ich mir zugestehe, etwas genauso zu machen, wie andere. Auch wenn es in diesem Moment nicht meinen Bedürfnissen entspricht. Dann entscheide ich mich frei und selbstbestimmt für den einfacheren Weg. Weil es andere gute Gründe für mich gibt, heute so zu handeln. Weil ich meine Kräfte für etwas anderes einsetzen möchte.

2.  Mein Weg zur bewussten Selbstbestimmung

Selbstbestimmung zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Frei (im Sinne von Leichtigkeit habe ich mich damit nicht immer gefühlt. Lange Zeit gehörte für mich ein unangenehmes Gefühl dazu. 

Eine Erinnerung aus meiner Kindheit: Ich war neu auf der Schule, 2. oder 3. Klasse. Von der liberalen Gesamtschule in Niedersachen wechselte ich auf eine katholische kleine Grundschule. Ich war überhaupt nicht religiös erzogen und kannte (zum Entsetzen des Lehrers) kein einziges Gebet. Ich habe mich im Religionsunterreicht so unglaublich unwohl gefühlt, dass meine Mutter es irgendwie geschafft hat, mich vom Religionsunterricht zu befreien. Als einziges Kind von der Schule war ich nicht im Religionsunterricht. Eine Alternative gab es dafür aber nicht. Und so stand ich ganz allein im Schulflur rum, während alle anderen im Unterricht waren. Das hat sich nicht schön angefühlt. Ja, das war von mir selbstbestimmt gewählt. Und es hat kein schönes Gefühl hinterlassen. (Es war nur etwas besser, als im Religionsunterricht beschämt zu sein, weil ich kein Gebet sagen konnte.)

 

Ein zweiter Punkt, der bei mir schon immer anders war: Ich habe als Kind schon vegetarisch gegessen, bei uns zu Hause gab es (glücklicherweise) kein Fleisch. Auf Klassenfahrt gab es dann kaum etwas für mich. Bei Freundinnen zu Besuch habe ich die Hühnchenstücke aus der Suppe gefischt. Das war mir unangenehm. Es war mir unangenehm, dass ich bei anderen am Tisch essen aussortiert habe. Es war unangenehm in deren liebevoll gekochten essen herum zu stochern. Und ich mochte die dadurch bekommene Aufmerksamkeit nie. Ich habe mich falsch gefühlt. Dennoch habe ich es getan. Weil es für mich irgendwie richtig war.

 

Dieses Gefühl, falsch zu sein, war mir als Kind und Jugendliche natürlich nicht bewusst. Es war eher wie ein Grundgefühl, dass immer da war. Und dass sich auch heute noch manchmal reaktiviert und gesehen werden möchte.

 

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die: Es gab auch immer Menschen, die mir gezeigt haben, dass sie mich so mögen, wie ich bin. Die meine Entscheidungen akzeptieren, sie vielleicht sogar toll finden. Und es gab die, die mich unabhängig davon, wie sie es finden, unterstützt haben, meinen eigenen Weg zu gehen. Danke! 

Als Mutter Entscheidungen treffen

Auch als  Mutter, die vieles anders machte, als es in ihrem Umfeld üblich war, fühlte ich mich oft alleine. Alleine auf weiter Flur, als ich als junge Mutter Entscheidungen getroffen habe, die für viele Menschen befremdlich waren. Sei es, der Verzicht auf Einmalwindeln (stattdessen Stoffwindeln oder windelfrei), eine zucker- und süßigkeitenfreie Ernährung in den ersten Jahren. Meine kleinen Kinder ohne TV, ja sogar ohne Hörspiele aufwachsen zu lassen, der Verzicht auf knallbuntes quietschendes Plastikspielzeug, die Entscheidung, dass meine Kinder nicht in den Kindergarten gehen, um nur ein paar Sachen zu nennen, die (damals) nicht gängig waren. Oder zumindest in meinem Umfeld nicht gängig waren.

 

Und auch hier habe ich immer wieder für das selbstbestimmte Leben entschieden. Das Leben so zu gestalten, wie es zu mir und meiner Familie passt wurde immer wichtiger und bedeutender. Nie ging es mir darum, etwas aus Prinzip anders zu machen. Immer war es mein größtes Anliegen, so zu leben, dass es für meine Kinder gut ist.

 

Und dann nach und nach, als ich den Beruf wechselte, mich viel mit Familienaufstellungen, Persönlichkeitsentwicklung und Glaubenssätzen beschäftigte, entwickelte ich eine Haltung, mit der ich nun ganz bewusst mein selbstbestimmtes Leben gestalte: Die Haltung der Selbstverantwortung. Ich bin die Gestalterin meines Lebens. 

3. So fühlt sich selbstbestimmtes Leben an

Für mich ist es so: Es gibt Tage, an denen fühle ich mich frei, angenehm frei. Leicht. Beschwingt. Vielleicht fühle ich mich mutig. Oder erleichtert, weil ich zu mir stehe. Freudig. Im Einklang mit mir Selbst. Ich atme tief ein und freue mich über das Leben, so wie es ist. 

 

Es gibt Tage, da finde ich mein selbstbestimmtes Leben furchtbar anstrengend. Vor allem dann, wenn andere Menschen mir (offen oder ganz subtil) zeigen, dass sie das, was ich tue für falsch halten. Wenn sie mich beeinflussen und von ihrer Sichtweise überzeugen wollen. Auf mich einreden. Wenn ich mich nicht willkommen fühle. Wenn ich mich alleine fühle. Alleine auf weiter Flur. Vielleicht kennst du das auch?

Ist es das wert?

Ich finde es unglaublich wertvoll selbstbestimmt zu leben. Selbstverantwortung zu übernehmen. Für mich ist Selbstbestimmung ein Weg, der mich näher zu mir selbst bringt. Ich möchte mich nicht davon abhängig machen, was ich glaube, was andere Leute von mir denken.

 

Mittlerweile empfinde ich immer weniger Trennung, sondern viel mehr Verbindung und Wärme zu anderen Menschen. Unabhängig davon, ob sie meine Werte leben. Denn alles, was ich im Außen als schwer erlebe hat eine Entsprechung in mir. Die anderen kann ich nicht ändern. Verändern kann ich mich, meine Glaubenssätze, meine Gedanken über mich selbst. Ist es wirklich wahr, dass ich nicht willkommen bin? 

 

Selbstbestimmt und selbstverantwortlich zu leben empfinde ich als enorm stärkend. (Trotz aller Anstrengung.) Denn, dauerhaft entgegen meiner Werte und Bedürfnisse zu leben, nimmt unglaublich viel von meiner Energie. Meine Energie setzt ich lieber dafür ein, eine Welt zu gestalten, die mir und meinen Kindern gut tut. In der wir uns wohl fühlen, uns entfalten können. 

 

Durch viel Reflexion und innerer Arbeit ist es für mich im Laufe der Jahre möglich geworden aus vollem Herzen heraus selbstbestimmt zu leben. Und ja, für mich ist es das absolut Wert. 

4. Meine 6 Tipps für dein selbstbestimmtes Leben:

  1. Spüre in dich hinein mit der Frage: Wer wäre ich, wenn ich mich frei fühle und mich traue, selbstbestimmt zu handeln? Was würde ich konkret anders tun als jetzt? ➡️ So bekommst du eine Idee davon, in welchen Bereichen du wirklich eine Veränderung möchtest.
  2. Finde deine Werte. ➡️ Wenn du deine Werte kennst, kannst du sie wie einen inneren Kompass nutzen um Entscheidungen zu treffen, die zu dir passen.
  3. Übe dich darin bewusst Ja und Nein zu sagen. ➡️ Wie oft am Tag sagst du Ja, wenn du lieber Nein sagen würdest?
  4. Finde eine Community, die zu dir passt. Eine Community, die deine Werte teilt. ➡️ So kommst du aus dem inneren Dauerstress heraus, dich entweder immer anpassen zu müssen. Oder ständig "dein Ding" zu verteidigen. 
  5. Beschäftige dich mit deinen Glaubenssätzen. ➡️ Der größte limitierende Faktor auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben bist du selbst. Nicht die anderen. 
  6. Lasse dich unterstützen. Du musst nicht alleine gehen. ➡️ Wer oder was würde dir helfen, deinen für dich passenden Weg zu gehen, Hürden zu überwinden und Lösungen zu finden? Go for it!

Ich weiß nicht warum oder woher ich die Kraft hatte trotz diesem negativen Grundgefühl aus der Kindheit immer wieder Entscheidungen zu treffen, die nicht der Norm entsprachen. Das war einfach so. Und natürlich habe ich auch viel gemacht, weil "man das so macht". Heute lebe ich Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Authentizität ganz bewusst. Nicht immer und nicht in Perfektion - aber mit offenen Armen:

 

Willkommen, selbstbestimmtes Leben! 💙


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Lena Kampfhofer

Systemisches Coaching, Beratung und Mentoring für Familien

 

Mail: lena@lenakampfhofer.de                  Telefon: 0175/6002684

 

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